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Brainweek Bern

Aphasie (Verlust der Sprache)

Was ist die Aphasie?

Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung. Aufgrund einer Hirnverletzung oder Hirnerkrankung können die Betroffenen nicht mehr oder nur fehlerhaft SPRECHEN, VERSTEHEN, LESEN, SCHREIBEN.

Das Gehirn hat zwei Hälften, Hemisphären genannt. Jede Seite kontrolliert bestimmte Tätigkeiten. Für einige sind sie gemeinsam zuständig.

Linke Hirnhälfte
Sprechen
Lesen
Schreiben
Rechnen
Bewegung
Gedächtnis

Rechte Hirnhälfte
Verstehen
räumliche Orientierung
Malen
Musik
Bewegung
Gedächtnis

Die Bewegungskontrolle durch das Gehirn erfolgt gekreuzt, das heisst: Die linke Seite des Gehirns kontrolliert den rechten Arm und das rechte Bein. Die rechte Seite des Gehirns kontrolliert den linken Arm und das linke Bein. Die linke Seite des Gehirns ist verantwortlich für Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben. Den Sprachverlust nach einer Gehirnverletzung oder Gehirnerkrankung nennt man eine Aphasie. Aphasisch werden können Erwachsene wie auch Kinder; die bereits sprachliche Fähigkeiten erworben haben.

Welches sind Ursachen und Auswirkungen einer Aphasie?

Aphasie beeinträchtigt den Alltag der Betroffenen und ihrer Partnerlnnen.
- beim Gespräche führen
- beim Telefonieren
- beim Fernsehen, Radio hören Zeitung lesen
- beim Briefe schreiben, Formulare ausfüllen
- beim Rechnen
- beim «Sich-Zurechtfinden» an fremden Orten.
Häufige Ursachen
- Schlaganfall (= Insult, = Apoplexie)
- Hirnblutung
- traumatische Schädigungen (durch einen Unfall)
- raumfordernde Prozesse (z.B. Hirntumor).

Welches sind typische Sprachstörungen bei Aphasiker?

Die wenigsten Aphasiker verstehen wirklich gar nichts mehr. Es ist vielmehr so
- dass ihnen viele Wörter vage bekannt vorkommen, aber nicht sicher eingeordnet werden können
- dass sie Wörter verwechseln
- Mühe haben, aus längeren und grammatikalisch komplexen Sätzen den Sinn zu entnehmen
- an Wortfindungsstörungen leiden
- fehlerhafte Wörter bilden: z.B. Dern statt Stern
- Dinge falsch benennen: z.B. Tisch statt Stuhl
- Mühe haben sich in ganzen Sätzen auszudrücken
im Telegrammstil reden: Unfall… Lastwagen… Velofahren… bewusstlos… fertig.

Die sprachlichen Äusserungen des Aphasikers können derart entstellt sein, dass sie unverständlich sind, manchmal sogar fremd wirken.

Aber aufgepasst!
Aphasie ist nicht die Folge einer geistigen Verwirrung, geistiger Behinderung oder psychischer Störung, einer Schwerhörigkeit oder einer sprechmotorische Störung (wie z.B. durch eingeschränkte Zungenbeweglichkeit).

Welche Begleitsymptome treten bei Aphasikern auf?

Je nachdem, welche Bereiche des Gehirns (oder Gehimregionen) betroffen sind, können zusätzlich zu einer Aphasie andere Störungen auftreten, zum Beispiel:
- Störungen oder Schwierigkeiten beim Planen und Ausführen praktischer Tätigkeiten (Apraxie)
- Störungen im Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsbereich
- Halbseitenlähmung (Hemiplegie), Gesichtslähmungen, Schluckstörungen
- Gesichtsfeldeinschränkungen (Sehstörungen, Hemianopsie)
- Sprechstörungen (Dysarthrophonie) und Stimmstörungen
- Gefühlsschwankungen, geringere Belastbarkeit, schnellere Ermüdung
- Rechenstörungen.

Wie kann ich den Aphasiker besser verstehen?

1. Zuhören bedeutet: Warten. Der Aphasiker braucht mehr Zeit für seine Äusserungen.
2. Sprechen steckt an. Das, was der Aphasiker sagt, wird häufig vom Gesprächspartner beeinflusst. Nicht zu früh mit Wortvorschlägen helfen’.
3. Mit dem Herzen hören. Darauf achten, ob die Absicht des Aphasikers verstanden wurde.
4. Eselsbrücken benutzen. Ein Wort, das nicht passt, nicht verwerfen – es könnte zum beabsichtigten Wort hinführen.
5. Die Dinge sprechen lassen. Mitdenken und genaues Beobachten der Situation helfen beim Verstehen.
6. Das Thema suchen. Gemeinsam mit dem Aphasiker herauszufinden versuchen, worauf sich seine Aussage bezieht.
7. Durch die Sprache hindurchhören. Bei unverständlichen Äusserungen nicht ständig unterbrechen – abwarten, dass sich der Sinn nachträglich ergibt.
8. Nur auf den Inhalt achten – die Form übersehen. Nicht ständig verbessern.
9. Nachsprechen ist keine echte Kommunikation. Nicht auf sprachlicher Äusserung bestehen, auch nicht-sprachliche akzeptieren.
10. Konzentrieren hilft nicht. Schlüsselsatz: «Vielleicht kannst du es später sagen!»
11. Bei Perseverationen ablenken. Bei hartnäckigen Wort-wiederholungen unterbrechen und ablenken.
12. Nicht aufgeben. Schlüsselsatz: «Wir werden es herausfinden -fang nochmal an!»

Was kann ich tun, damit der Aphasiker mich besser versteht?

1. Ruhe ist wichtig. Hintergrundgeräusche stören das Verstehen. Zweiergespräche sind leichter als Gruppengespräche.
2. Nonverbale Signale einsetzen. Neben Tonfall, Mimik und Körpersprache Schrift und Bilder einsetzen.
3. Lautstärke nicht erhöhen. Ruhig, nicht zu schnell, aber natürlich und in normaler Lautstärke sprechen.
4. Den Wortlaut variieren. Bei Nichtverstehen andere Formulierungen wählen.
5. Kürze kann helfen. Je nach individuellen Möglichkeiten der Aphasiker nach kürzeren Abschnitten (Satzteilen, Sätzen, Texten) Pausen einlegen.
6. Ja-Nein-Fragen stellen. Offene Fragen und Alternativfragen sind oft zu schwer.

Wie kann ich als Aphasiker das Gespräch erleichtern?

1. «Verhören» ist möglich: Prüfen Sie: «Habe ich wirklich verstanden?»
2. Nichtverstehen sofort signalisieren. Ihre Gesprächspartner erkennen nicht immer, ob Sie alles verstanden haben.
3. Auf den Hörer achten. Halten Sie Augenkontakt. Prüfen Sie: Weiss mein Hörer, worüber ich spreche

 

Quelle: Aphasie Suisse