Brainweek Bern

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Alzheimer / Demenz

Was ist eine Demenz?

Der Begriff Demenz bezeichnet einen Verfall der geistigen Leistungsfähigkeit. Man versteht darunter vor allem die Abnahme von Gedächtnisleistung und Denkvermögen. Dieser Verfall betrifft zunächst die Aufnahme bzw. das Wiedergeben neuer gedanklicher Inhalte, sodass die Orientierung (wo bin ich, was passiert gerade), die Urteilsfähigkeit, aber auch die Sprach- und Rechnenfähigkeit und Teile der Persönlichkeit zerstört werden. Dies kann sich in den Alltagsaktivitäten wie Waschen, Kochen oder Einkaufen niederschlagen. Eine Vergesslichkeit allein bedeutet noch keine Demenz. Die Betroffenen können aggressiv oder enthemmt, depressiv oder in ihrer Stimmung sprunghaft werden, was für Angehörige und Pfleger erhebliche Probleme aufwirft.

Etwa sechs Prozent aller Menschen über 65 Jahre leiden unter einer Demenz. Bei den über 90-Jährigen sind es sogar 40 Prozent. Nach Schätzungen von Patientenverbänden leben in Deutschland weit über eine Million Menschen mit altersbedingten Hirnleistungsstörungen. Vermutlich wird diese Zahl noch weiter steigen, weil der Anteil alter Menschen an der Gesamtbevölkerung zunimmt. Schon heute sind Demenzen der häufigste Grund für einen Einweisung ins Pflegeheim.

Wie kommt es zu dazu?

Eine Demenz entsteht aufgrund einer Reihe möglicher Erkrankungen. Als häufigste Ursache wird heute die 1906 von dem deutschen Neuropsychiater und Neuropathologen Alois Alzheimer beschriebene und später nach ihm benannte Erkrankung mit den ihr eingenen Hirnveränderungen angesehen (Alzheimer-Krankheit). Bei der Alzheimer-Krankheit werden die Nervenzellen durch krankhafte Eiweiße (Beta-Amyloid, Tau-Protein) in ihrer Funktion gehemmt. Dies führt in der Hirnregion, die für Denkprozesse verantwortlich ist, zu einem Mangel des Botenstoffes Acetylcholin.

Ähnlich wie bei der Alzheimer-Demenz gibt es weitere typische Abbauprozesse im Gehirn, die mit dem Bild einer Demenz einhergehen. Neu gesichert wurde die so genannte “Demenz mit Lewykörperchen”. Sie gilt inzwischen nach der Alzheimer-Demenz als die zweihäufigste Demenzform.

Prinzipiell können alle Veränderungen im Gehirn das Bild einer Demenz hervorrufen. Solche Veränderungen können durch andere körperliche Erkrankungen entstehen, vor allem durch Durchblutungsstörungen. Bei dieser vaskulären Demenz kommt es häufig schlagartig zur Verschlechterung der Gehirnleistung, und es treten anderweitige Zeichen eines Schlaganfalls auf wie zum Beispiel Sprachstörungen.

Stoffwechselstörungen (zum Beispiel Vitamin-B12-Mangel; Schilddrüsenerkrankungen), chronische Vergiftungen (Alkoholismus), raumfordernde Prozesse im Gehirn (zum Beispiel Gehirntumoren) sowie Infektionen des gehirns (zum Beispiel Aids, Meningitis, Creutzfeld-Jakob-Erkrankung) können ebenfalls zu einer Demenz führen und sind häufig behandelbar.

Die Unterscheidung dieser Ursachen ist für den Fachmann nicht immer einfach, zumal zunehmend auch ein deutliches Überlappen mehrerer Ursachen für die Entstehung der Demenz diskutiert wird. So führen Volkskrankheiten wie erhöhter Blutdruck (Hypertonie) oder Diabetes mellitus zu einer Verschlechterung der Symptome einer Demenz bzw. rufen diese durch Hirngefäßschädigungen mit hervor.

Was sind die Symptome?

- Vergesslichkeit, unpräzises Denken
- Orientierungslosigkeit
- Sprachstörungen
- Eingeschränktes Urteilsvermögen
- Persönlichkeitsveränderungen
- Antriebsverlust

Als erstes Symptom ist eine Verschlechterung des Kurzzeitgedächtnisses meist schon im Alter von 60 bis 70 Jahren zu beobachten. Konzentrationsfähigkeit und Denkleistung lassen nach, Sprachstörungen treten auf, die Müdigkeit nimmt zu. Häufig treten in der Anfangsphase die Symptome einer Depression auf. Oft kommt es auch zu Halluzinationen. Es werden nicht vorhandenen Dinge gesehen. Der Betroffenen raucht etwa eine nicht vorhande Zigarette, ängstigt sich vor Stimmen usw. Später fällt es den Betroffenen schwer, Dinge und Personen wiederzuerkennen. Alltagsfähigkeiten – wie Ankleiden, Essenszubereitung oder Einkaufen – gehen verloren. Im Endstadium verstummen die Patienten oft, sie sind bettlägerig und völlig auf die Hilfe anderer angewiesen.

Wie kann man behandeln?

Steht am Ende einer Vielzahl von Untersuchungen die Diagnose einer Demenz fest, so versucht man, spezifische Hilfe zu leisten.

Jedoch ist für die Mehrzahl der Demenzkranken ist zurzeit keine Heilung möglich, allenfalls ein Aufhalten des Hirnabbaus möglich – etwa bei der Alzheimer-Demenz oder der vaskulären Demenz. Ist die Demenz Folge einer behandelbaren Grunderkrankung, z.B. eines Hirntumors, schwerer Depressionen oder einer Störung des Hirnstoffwechsels, kann durch die Therapie dieser Grunderkrankung mitunter die Demenz behandelt werden.

Für alle Demenzfälle gilt, dass dem geistigen Zerfall nicht tatenlos zugesehen wird, wie dies bis vor wenigen Jahren noch der Fall war. Ziel der Bemühungen sollte sein, dass Betroffenen möglichst lange den Alltag bewältigen können. Dazu wird in speziellen Einrichtungen wie Tageskliniken in allererster Linie ein spezielles Hirnleistungstrainig eingesetzt. Hier begleiten Psychologen, Sozialarbeiter und andere Fachleute die dementen Patienten durch den Tag und üben mit ihnen erneut das Zurechtkommen im Alltag ein. Vorteil solcher Einrichtungen ist auch die Möglichkeit, dass Angehörige in die Behandlung einbezogen werden können. Außerdem können Krankengymnasten und die Nutzung handwerklicher und künstlerischer Fähigkeiten unter Anleitung eines Ergotherapeuten (Beschäftigungstherapeuten) zu einer Erhöhung der geistigen Arbeitsbereitschaft beitragen.

Auch mit Medikamenten kann heute einiges Demenz getan werden. Sie sollten jedoch am besten im Rahmen einer ganzheitlichen Therapie, also mit zusätzlichem Hirnleistungstrainig, gegeben werden. Ziel ist dabei, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen oder gar zum Stillstand zu bringen. In wie vielen Fällen und im welchem Maße diese Substanzen tatsächlich eine Verbesserung herbeigeführen, läßt sich nicht pauschal in Zahlen fassen. Ein Behandlungsversuch lohnt sich auf jeden Fall, auch wenn er vielleicht nicht zu deutlichen Veränderungen führt. Da eine Demenz laufend fortschreitet, ist es bereits ein Behandlungserfolg wenn sie sich nicht verschlechtert.

Die vielversprechendsten Medikamente für die beginnende Alzheimer-Krankheit sind zur Zeit die Acetylcholinesterase-Hemmer (AChE-Hemmer). Diese Arzneien helfen, den Signalaustausch zwischen den überlebenden Nervenzellen zu verbessern. Sie steigern die Verfügbarkeit des Signalstoffs Acetylcholin, in dem sie das Enzym Acetylcholinesterase blockieren, das im normalen Gehirnstoffwechsel das Acetylcholin abbaut. Sie sind jedoch nur im Frühstadium der Erkrankung sinnvoll. Für die Acetylcholinsterase-Hemmer konnte beispielweise nachgewiesen werden, dass sie das Voranschreiten der Erkrankung und damit häufig die Einweisung in ein Pflegeheim um durchschnittlich ein Jahr verzögern.

Für die bereits mittelschwere bis schwere Demenz zeigen NMDA-Antagonisten die besten Erfolge. Sie verhindern die Nervenüberreizung durch den Botenstoff Glutamat. Ein Zuviel dieses Botenstoffes schädigt die Nervenzellen und lässt sie zugrunde gehen.

Es gibt eine Reihe von Medikamenten, die auf unterschiedliche, oft auch nicht genau bekannte Art die Gehirnleistungen verbessern sollen. So sollen Extrakt des Ginkgo-Baums das Gehirn besser mit Sauerstoff und Glucose versorgen, indem sie beispielsweise die Durchblutung fördern. Kalzium-Antagonisten sollen den gestörten Kalzium-Stoffwechsel der Nervenzellen normalisieren und dadurch die Weiterleitung von Informationen verbessern.

Manchmal sind zusätzlich Medikamente gegen Unruhe und Schlafstörungen gegen parkinsonähnliche Bewegungsstörungen oder Depressionen notwenig um die Begleitsymptome der Demenz zu bekämpfen. Allerdings muss man die Wirkung dieser Medikamente beobachten. Bei manchen Demenz-Formen können Medikamente gegen psychische Unruhe diese sogar verstärken bzw. schwere Nebenwirkungen zeigen.

Wie ist die Prognose?

Die Heilung der Demenz ist meist nicht möglich. Mit Hilfe einer Kombination aus Medikamenten und speziellem Hirnleistungstrainig kann jedoch das Fortschreiten der Demenz aufgehalten werden.

Quelle: NetDoktor